Mirrors Edge hasst mich

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    Ich habe mir gestern Mirror’s Edge gekauft. Ich wollte es schon immer haben, bin aber nie dazu gekommen, es tatsächlich zu besorgen. Nun habe ichs relativ preisgünstig in einer Filliale einer größeren Lebensmittelkette erstanden und es treibt mich in den Selbstmord.

    Nun muss ich erläutern, dass ich nie ein Freund dieser Zwei-Stick-Steuerung bei Egoperspektive auf Konsole war. Eigentlich kann man sagen: Ich mag sie nicht. Man könnte sogar sagen: Ich hasse sie wie die Pest.
    Wenn ich mich schnell drehen will, würden Beobachter meines Spiels sich des Eindruckes nicht erwehren können, die Duschszene von Psycho anzuschauen – es endet einfach nicht und die Musik ist scheiße. Faith dreht und dreht mit der proportionalen Geschwindigkeit eines Bücherregals. Obwohl ich diesen dusseligen Stick bis zum Anschlag durchdrücke. Dann, so nach gefühlten zehn Minuten, habe ich mich natürlich ein paar Millimeter zu weit gedreht, um diesen einen Walljump, den ich in 15 Sekunden schaffen muss-

    Ach, Mist. Also nochmal.

    Ich drücke den Knopf. Der Timer läuft. Ich drehe und drehe und bin wieder ein Stückerl zu weit, aber diesmal sind erst 12 Sekunden rum, ich liege also für meine Verhältnisse noch gut in der Zeit. Ich muss nur die gerade Sichtlinie zur Tür wieder herstellen, da ich sonst zweifellos verloren bin und den richtigen Weg nie wiederfinden werde. Ich tippe also ganz kurz an den Stick, den kleinen, putzigen, und Faith meint plötzlich, sie wäre ein Karussell, eines von diesen Horrorfilmdingern, die sich schneller und schneller drehen, bis auch wirklich alle kleinen Kinder entweder heruntergefallen oder tot sind. In diesem Fall beides. Zeit rum. Tür zu.

    Mir ist schlecht, ich bin genervt, ich mach das Spiel aus. Ich hasse aber nicht Mirror’s Edge dafür, ich hasse mich und meinen unfähigen N00bdaumen. Street Fighter? Kein Problem. Mega Man? Hah! Aber wehe ich muss irgendwas dreidimensionales mit zwei Fettfingern kontrollieren, dann bin ich verloren.

    Ansonsten ist das Spiel wirklich ganz groß. Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte, anhand der Demo und der Videos, aber doch ganz anders. Es ist aufregend. Es ist herausfordernd. Es ist treibend. Vor allem dann, wenn mal wieder Armeen von Polizisten hinter mir herlaufen, und ich doch eigentlich niemandem weh tun möchte. In diesen Momenten frage ich mich dann aber auch, warum ich das eigentlich mache. Ja, ich schleppe irgendwelche Taschen für irgendeinen Untergrund, weil die Regierung böse ist. Vermutlich so böse, dass sie sämtliche Paketdienste verboten hat. Ich habe keine Ahnung, was ich warum für wen herumschleppe, und warum die Cops das nicht wollen. Vielleicht transportiere ich Massenvernichtungswaffen in den Irak? Kann durchaus sein und würde einiges erklären. Verboten wurden offenbar auch hübsche Zwischensequenzen. Schade. Aber der MS Paint-Style hat auch was. Passt nur leider überhaupt nicht zum Rest. Audiophil ist das Spiel auch nicht unbedingt, auch wenn die Designer von Dice ein ganz gutes Gefühl dafür hatten, wann eine hektische OMGGEGNER-Musik eingespielt werden sollte. Blöderweise schneidet sich dieser Moment grundsätzlich mit den Momenten, in denen ich wieder mal keine Ahnung habe, wo ich hin soll, und der Hilfsbutton, der eigentlich die richtige Richtung anzeigen soll, mich zuverlässig die nächstgelegene Wand anstarren lässt. Aber so ist das halt, egal wie gut ein Spiel auch sein mag – und Mirror’s Edge ist verdammt gut – man kann eben nicht alles haben. Würde ich wählen können: Ich würde die besseren Daumen nehmen.

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